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Florian Bodoky
Produkttest

Sennheiser Momentum True Wireless 5: Reif fürs nächste Level

Zweieinhalb Jahre Warten haben sich gelohnt. Mit tauschbarem Akku, neuem Case, besserem ANC und Dolby Atmos verpasst Sennheiser den MTW 5 ein gelungenes Update.

Sennheiser trägt dem «Right to Repair» Rechnung: Bei den neuen Momentum True Wireless (MTW) 5 kannst du den Akku selbst wechseln – sowohl im Case als auch in den Buds. Das boten bisher nur die FairBuds, welche im Oktober neu aufgelegt werden. Das ist aber längst nicht das Einzige, was ihn von seinem Vorgänger unterscheidet.

Adieu, Schmuckkästchen

Die MTW 4 kamen in einem stoffbezogenen, rechteckigen Case. Dieses erinnerte an eine Schmuckschatulle und gefiel mir gut. Sennheiser sah dann aber wohl ein (und ich auch), dass sich Stoff schneller abnutzt als Kunststoff. Darum setzt der Hersteller beim MTW5 auf ein deutlich schlankeres, hochkant stehendes Gehäuse aus angerautem Kunststoff. Es liegt gut in der Hand und beult die Hosentasche nicht mehr so aus wie der Vorgänger.

Das Case ist kleiner und schmaler als zuvor.
Das Case ist kleiner und schmaler als zuvor.

Ein kleines, eingelassenes Metall-Branding auf der Oberseite weist dezent auf Sennheiser hin. Kleiner Hint: Es ist KEIN Knopf, nur Zierde. Am Anfang kann dies einen anderen Eindruck machen. Das Case ist mit 55 Gramm angenehm leicht.

Das Branding ist prominent, aber zurückhaltend.
Das Branding ist prominent, aber zurückhaltend.

Auch die Buds selbst hat Sennheiser überarbeitet: Das Design ist deutlich runder, Stabilisatoren fürs Ohr fehlen. Das Gewicht beträgt sieben Gramm pro Bud, also ähnlich wie zuvor. Die MTW 5 sind nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Ein Gymbesuch mit Schweiss geht gut, in den Pool oder in die Badewanne solltest du sie nicht mitnehmen. Die Zertifizierung gilt nur für die Buds, nicht für das Case.

Komfort ist individuell

Steckst du dir die Kopfhörer ins Ohr, wirst du zwei Dinge feststellen: Da Sennheiser keine Stabilisatoren eingebaut hat, musst du mehr denn je auf die richtige Grösse der Aufsätze achten. Ansonsten fallen dir die MTW 5 aus den Ohren. Erst recht aufgrund ihrer Bohnenform. Dadurch konzentriert sich das Gewicht auf eine bestimmte Stelle. Zweitens sind die MTW 5 vergleichsweise breit. Für schmale Ohren nicht immer bequem. Das ist aber kein Beinbruch. Mit dem Fit-Test der App wirst du den richtigen Aufsatz für dich finden. Dazu rate ich dir, denn abgesehen vom guten, bequemen Sitz schwächt ein unpassender Aufsatz das Noise Cancelling.

Der Bud ist bohnenförmig und kommt ohne Stabilisator.
Der Bud ist bohnenförmig und kommt ohne Stabilisator.

Bei der Bedienung setzt Sennheiser komplett auf Touchgesten. Mit der App kannst du jede Geste frei belegen und für links und rechts unterschiedliche Befehle definieren. Auch die Lautstärke lässt sich so steuern. Die Steuerung reagiert zuverlässig und ohne wahrnehmbare Verzögerung. Allerdings ist die Fläche nicht besonders gross. Wenn du Touchgesten generell nicht magst, kannst du sie komplett deaktivieren und den Sound übers Handy steuern. Dies ist eine sinnvolle Funktion, denn die Sensoren sind so sensibel, dass sie bereits beim Justieren der Hörer oft eine Aktion auslösen.

Dolby Atmos und Soundzonen – der Griff zur App lohnt sich

Die App bietet auch sonst einige hilfreiche Funktionen. So etwa einen Acht-Band-EQ mit editierbaren Schaltern für verschiedene Genres oder Schnellzugriff auf Einstellungen für bestimmte Funktionen, wie Sprachklarheit. Auch die diversen Presets kannst du nachbearbeiten. Ebenfalls setzt Sennheiser weiterhin auf Soundzonen. Damit verknüpfst du bestimmte EQ-Profile und ANC-Settings mit Orten. Etwa: In der Bahn automatisches ANC und mehr Bass, im Büro Transparenzmodus und Pop-Preset. Die Standorterkennung arbeitet etwa auf 100 Meter genau. Daher gibt es beim Wechsel manchmal kleine Verzögerungen, was aber zu verschmerzen ist.

Du kannst verschiedene Aufsätze ausprobieren und in der App auf die Passform hin testen.
Du kannst verschiedene Aufsätze ausprobieren und in der App auf die Passform hin testen.

Neu an Bord ist Dolby Atmos mit Head-Tracking. Die Wiedergabe passt sich kleinen Kopfbewegungen an, sodass Klangquellen an ihrem virtuellen Platz im Raum bleiben, auch wenn du den Kopf drehst. Bei Filmen und Serien funktioniert das gut, bei Musik ist es dezenter. Auch, weil die Reaktion auf die Kopfbewegungen einen spürbaren Delay hat. Für einige der Funktionen in der App brauchst du ein Sennheiser-Nutzerkonto.

Druckvoller Sound, sauber konturiert

Klanglich bauen die MTW5 auf dem starken Fundament ihrer Vorgänger auf. Sie ruhen sich aber nicht auf ihren Lorbeeren aus. In den Tiefen zeigt sich die grösste Weiterentwicklung. Der Bass reicht angenehm weit herunter, klingt satt und entwickelt mehr Körper als beim Vorgänger. Allerdings bleibst du von aufdringlichem Wummern verschont. Trotz des Mehrgewichts der Bassläufe bleiben sie unter Kontrolle. Dieser Eindruck setzt sich in den Mitten fort. Erstaunlich warme, volle Mittelfrequenzen sorgen für viele Details und fein aufgelöste Stimmen und Instrumente. Den altbekannten nüchtern-analytischen Twist früherer Sennheiser-Modelle höre ich hier nicht mehr.

Die Höhen sind bis weit hinauf präsent und detailreich. Becken und Hi-Hats haben Kontur. Allerdings hört man punktuell eine gewisse Schärfe. Dies ist allerdings auf äusserst hohem Niveau gemeckert. Wenn du die Flatness vermisst, kannst du die Höhen im EQ etwas runternehmen.

In Punkto Übertragung arbeiten die MTW 5 mit Bluetooth 6.0 sowie den Codecs SBC, AAC, aptX (sowie aptX Adaptive und aptX Lossless). Vorausgesetzt, dein Quellgerät unterstützt diese ebenfalls. Auch Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair werden unterstützt. Zudem gibt es den neuen «Robust Mode». In funklastigeren Umgebungen kannst du ihn aktivieren, um eine stabilere, unterbruchsfreie Bluetooth-Verbindung zu bewahren. Leider unterstützen die MTW 5 (noch) kein LE Audio oder Auracast. Die Hardware ist vorhanden, ein Firmware-Update soll die Funktionen später noch hinzufügen.

Du kannst sowohl den Sound als auch die Bedienung in der App ändern.
Du kannst sowohl den Sound als auch die Bedienung in der App ändern.

Der Sound ändert sich etwas, wenn du ANC aktivierst. Sennheiser hat aber viel Arbeit investiert, damit der Effekt gering ist. Das adaptive Hybrid-ANC mit Windunterdrückung reduziert (wie oft bei ANC) vor allem tieffrequente Störgeräusche wie Autos oder einfahrende Züge wirkungsvoll. Damit rückt Sennheiser näher an die Platzhirsche von Sony oder Bose heran. Bereits ohne aktiviertes ANC, also nur mit der Dämpfung durch die Silikonstöpsel, ist die Geräuschunterdrückung ziemlich effizient. Leider bleibt bei sehr ruhigen Umgebungen ein leises Grundrauschen wahrnehmbar. Dennoch leistet Sennheiser hier gute Arbeit.

Ähnliches gilt für Telefonate: Dafür verbaut Sennheiser in jedem Bud vier Mikrofone. Jeweils eines für Knochenschall samt Sprachisolierung. Deine Stimme kommt beim Gegenüber klar und natürlich an und auch die Hintergrundgeräusche werden solide ausgeblendet. Für den Alltag reicht die Qualität gut. Bei längeren, Calls in sehr lärmigen Umgebungen dringt manchmal auch ein Geräusch durch.

Langlebiger, austauschbarer Akku

Wie schon beim grossen Bruder ist auch bei den kleinen In-Ears viel Akkulaufzeit vorhanden. Sennheiser gibt bis zu zwölf Stunden an. Dies bezieht sich allerdings auf den Hörgenuss ohne ANC. Sechs Stunden sind’s mit Geräuschunterdrückung. Mit dem Ladecase kommst du auf 40 Stunden Gesamtlaufzeit. Das neue, verbesserte ANC verschlingt offenbar recht viel Energie. Trotzdem kommst du damit gut durch den Alltag.

Den Akku zu tauschen ist beim Case eine kurze Sache.
Den Akku zu tauschen ist beim Case eine kurze Sache.

Sowohl beim Case als auch bei den Buds kannst du selbst die Akkus tauschen. Beim Case ist das easy. Du löst eine einzelne Kreuzschlitzschraube, schiebst den Boden zur Seite und ziehst den Akku heraus. Bei den kleinen Hörern ist es aufwendiger: Pro Seite musst du zwei (winzige!) Schrauben lösen. Danach musst du das Gehäuse aufhebeln, was Fingerspitzengefühl erfordert. Ob sich das am Ende lohnt, hängt davon ab, wie leicht verfügbar Ersatzakkus sein werden – und was sie kosten. Aktuell ist das noch nicht klar.

Fazit

Starker Nachfolger, den du dir guten Gewissens zulegen kannst

Die Momentum True Wireless 5 überzeugen mit austauschbarem Akku im Case und in den Buds – ganz im Sinne des Right to Repair. Klanglich legen sie zu: satterer Bass, warme Mitten, detaillierte Höhen. Ausserdem Dolby Atmos mit Head-Tracking. Das ANC wurde hörbar verbessert und nähert sich Sony und Bose an. Das neue, schlankere Case ersetzt die Stoffvariante des Vorgängers, was für den Transport in der Hosentasche praktisch ist. Kritikpunkte bleiben ein leises Grundrauschen und ein (noch) fehlender Auracast-Support. Dennoch sind die MTW 5 ein gelungenes, nachhaltiges Upgrade.

Pro

  • schöne Soundabmischung
  • starker Akku
  • leichtes Case

Contra

  • leichtes Grundrauschen
  • (noch) kein Auracast
Produktbild Sennheiser Momentum True Wireless 5 (ANC, 6 h, Kabellos)
Kopfhörer
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EUR299,99 statt EUR349,–

Sennheiser Momentum True Wireless 5

ANC, 6 h, Kabellos

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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