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Asian Isolated/Shutterstock
Hintergrund

Der Pups-Sensor in der Unterhose und die Wissenschaft dahinter

Anna Sandner
10.9.2026

Wie oft pupst du wirklich? Ein US-Forschungsteam will das mit einem Sensor in der Unterhose herausfinden. Die Technik klingt skurril, soll aber eine Lücke in der Darmforschung schließen.

Es gibt Erfindungen, bei denen man sich unweigerlich fragt: Braucht die Menschheit das wirklich? Ein Sensor in der Unterhose, der mitzählt, wie oft du pupst – das klingt im ersten Moment absolut nach einer dieser überflüssigen Ideen. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass das Gerät eine echte Forschungslücke schließen könnte.

Warum Pupsen medizinisch interessant sein kann

Wer schon mal unter Blähungen oder Bauchschmerzen wegen eines aufgeblähten Bauchs litt, weiß, wie unangenehm und schmerzhaft das sein kann. Die Gasproduktion hängt unter anderem von Ernährung, Verdauung, Stress und der Aktivität der Darmmikroben ab. Inwiefern Flatulenzen aber tatsächlich etwas über die Darmgesundheit aussagen, ist bislang weitgehend ungeklärt. Es fehlen Messdaten und Vergleichswerte – zu peinlich ist das Thema, zu unangenehm waren bislang die zugehörigen Versuchsaufbauten.

Und so fehlt bis heute ein verlässlicher Normalwert. Wie oft Menschen im Alltag tatsächlich pupsen, wurde bislang vor allem geschätzt – und dürfte wegen lückenhafter Selbstprotokolle, insbesondere nachts, eher unterschätzt worden sein.

Ein Forschungsteam will das Tabu messbar machen

Diese Lücke will ein Team um den Zellbiologen Brantley Hall von der University of Maryland schließen. Hall und sein Team haben einen tragbaren Sensor entwickelt, der eine Langzeitmessung von Darmgasen im Alltag ermöglichen soll. Nach Angaben der Forschenden ist es das erste Wearable speziell für diese Messung.

Halls Team präsentiert einen Prototyp der smarten Unterwäsche.
Halls Team präsentiert einen Prototyp der smarten Unterwäsche.
Quelle: University of Maryland

Die Flatulenz-Foschenden wollen damit bislang ungeklärte Fragen beantworten: Wie stark unterscheiden sich Menschen bei der Darmgasproduktion überhaupt? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Mahlzeiten? Und warum können manche eine ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Beschwerden vertragen, während andere rasch mit Blähungen reagieren?

So funktioniert der Pups-Sensor

In seiner Ende 2025 veröffentlichten Machbarkeitsstudie testete das Team zunächst, ob sich der Sensor im Alltag zuverlässig tragen und auswerten lässt. Das etwa münzgroße Gerät enthält einen elektrochemischen Sensor. Es erkennt Wasserstoff, der mit den Darmgasen entweicht, und speichert Zeitpunkt und Stärke der Messsignale. Das Gas entsteht, wenn Darmbakterien bestimmte Kohlenhydrate und Ballaststoffe fermentieren. Die Messwerte bilden damit ab, wann Darmmikroben fermentieren und wie stark diese Aktivität nach einer Mahlzeit zunimmt.

Der Sensor wird außen an der Unterwäsche befestigt und misst Wasserstoff in Darmgasen.
Der Sensor wird außen an der Unterwäsche befestigt und misst Wasserstoff in Darmgasen.
Quelle: Botasini et al., Biosensors and Bioelectronics: X (2025), Abb. 1.

19 gesunde Erwachsene trugen das Gerät eine Woche lang durchschnittlich mehr als elf Stunden täglich. Dabei registrierte es im Schnitt 32 Darmgasereignisse pro Tag, wobei die individuellen Werte weit streuten und zwischen vier und 59 lagen. Schätzungen gingen bisher von bedeutend weniger (durchschnittlich etwa 14 Pupsen am Tag) aus. In einem zweiten Versuch mit 38 Personen nahm die gemessene Wasserstoffproduktion zu, nachdem die Probandinnen und Probanden Inulin, einen präbiotischen Ballaststoff, verabreicht bekamen. Der Versuch zeigte, dass der Sensor Reaktionen der Darmmikroben auf die Ernährung außerhalb eines Labors sichtbar machen kann.

Zur Messung wird der Sensor an der Unterwäsche befestigt.
Zur Messung wird der Sensor an der Unterwäsche befestigt.
Quelle: University of Maryland

Nächster Schritt: der Pups-Atlas

Mit dem «Human Flatus Atlas» will das Team nun die kleine Pilotstudie in eine größere Alltagsstudie überführen: 500 gesunde Erwachsene sollen den Sensor dafür drei Tage lang jeweils mindestens zwölf Stunden tragen und ihre Mahlzeiten dokumentieren. Aus diesen Daten soll eine erste Vergleichsbasis entstehen, die individuelle Messwerte künftig besser einzuordnen hilft. Erst dann lässt sich belastbar prüfen, ob bestimmte Muster bei Menschen mit Blähungen oder Reizdarm häufiger vorkommen.

Noch kein Darm-Check für zu Hause

Noch ist die smarte Unterhose vor allem ein Werkzeug für die Forschung. Die Daten könnten Ärztinnen und Ärzten eines Tages aber dabei helfen, bestimmte Beschwerden genauer einzuordnen. Zusammen mit Ernährungstagebüchern, Symptomprotokollen und anderen Untersuchungen ließe sich etwa verfolgen, wie der Darm nach bestimmten Mahlzeiten reagiert und ob sich wiederkehrende Muster zeigen. Besonders interessant wäre das für Menschen, die Ballaststoffe eigentlich essen möchten, darauf aber mit starken Blähungen oder Bauchschmerzen reagieren.

Bis dahin ist Vorsicht mit großen Versprechen angebracht. Aus der Zahl der Flatulenzen lässt sich keine Diagnose ableiten. Ein Sensor erkennt weder Reizdarm noch Laktoseintoleranz, Zöliakie oder eine andere Ursache von Verdauungsbeschwerden. Viel Gas kann vollkommen normal sein, etwa wenn Darmbakterien ballaststoffreiche Nahrung verarbeiten.

Noch ist der Sensor nur für die weiteren Untersuchungen für den «Human Flatus Atlas» im Einsatz.
Noch ist der Sensor nur für die weiteren Untersuchungen für den «Human Flatus Atlas» im Einsatz.
Quelle: University of Maryland

Für den Alltag ist der Sensor bislang ohnehin nicht erhältlich. Die Forschenden haben für die Technologie ein Patent eingereicht und gemeinsam das Unternehmen Ventoscity gegründet, das den Sensor weiterentwickeln und vermarkten will. Ob daraus einmal ein Medizinprodukt, ein Werkzeug für Ernährungsstudien oder ein Wearable für Verbraucherinnen und Verbraucher wird, ist noch offen.

Titelbild: Asian Isolated/Shutterstock

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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


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