Günstig gegen teuer: Nokia 1.3 vs. OnePlus 8 Pro

Jan Johannsen
Hamburg, am 12.05.2020
Ist das OnePlus 8 Pro wirklich zehnmal besser als das Nokia 1.3? Der Preisunterschied lässt das vermuten. Ich habe es mit alltäglichen Dingen ausprobiert.

Günstig gegen teuer: Wer das Duell zwischen dem Nokia 1.3 und dem OnePlus 8 Pro gewinnt ist mir bereits nach meinen Einzeltests klar. Trotzdem will ich wissen, wie groß die Unterschiede zwischen den Smartphones in der Praxis sind. Dafür schaue ich mir unter anderem die Kameras sowie die Reaktions- und Ladezeiten an.

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Beide kannst du im Sonnenschein benutzen

Klar, das OnePlus 8 Pro hat mit 6,78 Zoll nicht nur den größeren Touchscreen, sondern mit einem AMOLED-Display und einer Auflösung von 3168×1440 Pixeln sowie einer größeren Farbtiefe auch den technologisch besseren Bildschirm. Daran lässt sich nicht rütteln. Aber dadurch wird der 5,71 Zoll große Touchscreen des Nokia 1.3 nicht unbrauchbar. Die Farben des LC-Displays mögen zwar nicht ganz so kräftig sein und die Auflösung ist mit 1520×720 Pixeln deutlich niedriger. Trotzdem ist der Bildschirm hell genug für die Nutzung im Sonnenschein und hat eine scharfe und detailreiche Darstellung. Seine Pixeldichte liegt mit 295 ppi auch nur knapp unter der Grenze von 300 ppi, ab der ein Bildschirm für menschliche Auge nicht mehr schärfer wird.

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Die Größe der Smartphones und die verwendeten Materialien sind Unterschiede, die sofort ins Auge springen und fühlbar sind. Das Nokia 1.3 hat eine Rückseite aus Kunststoff, die zwar griffig und nicht hässlich ist, aber die Glasrückseite des OnePlus 8 Pro sieht schöner aus. Wobei es natürlich je nach Farbvariante unterschiedliche Vorlieben gibt.

Die Rückseite des Nokias ist abnehmbar und du kannst den Akku austauschen. Er hat mit 3000 mAh eine geringere Kapazität als die fest verbaute 4500-mAh-Batterie des OnePlus 8 Pro. Die Unterschiede in der Akkulaufzeit sind weniger relevant als die Ladegeschwindigkeit. Das OnePlus muss dank Schnellladetechnologie deutlich weniger Zeit an der Steckdose verbringen und lässt sich drahtlos aufladen.

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Während du beim OnePlus Kopfhörer per Kabel am USB-C-Anschluss einstecken musst, hat das Nokia einen klassischen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Verbindest du Kopfhörer oder Lautsprecher per Bluetooth, ist die Reichweite bei den beiden Smartphones unterschiedlich. Das OnePlus 8 Pro kommt mit Bluetooth 5.1 weiter als das Nokia 1.3 mit Bluetooth 4.2. Ohne Hindernisse beträgt der Unterschied etwa 120 Meter zu 30 Meter. Ganz wichtig! Das Nokia 1.3 hat keinen NFC-Chip ist deswegen nicht für kontaktloses Bezahlen geeignet.

Ein Smartphone für geduldige Menschen

Der Snapdragon 855 des OnePlus 8 und die 215 Mobile Plattform im Nokia 1.3 markieren das obere und das untere Ende des aktuellen Chipsatzangebotes Qualcomms. Auch der Arbeitsspeicher mit 12 und 1 Gigabyte könnte kaum weiter auseinander liegen. Welches Smartphone mehr Power hat ist vorab klar, aber das gilt auch für den Porsche 911 und den Trabi. Deren Leistungsunterschied wird auf der Straße durch Tempolimits nivelliert. Gibt es bei Smartphones einen ähnlichen Effekt?

Der Benchmark-Test «Work 2.0 Performance» von PCMark, der Vorgänge simuliert, macht den erwarteten Leistungsunterschied in Zahlen sichtbar. 3491 Punkte beim Nokia stehen 11126 Punkte beim OnePlus entgegen. Das ist ein deutlicher Abstand, aber nicht so groß wie der Preisunterschied.

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Deutlich größer wird der Unterschied bei den erreichten Punktzahlen im Antutu-Benchmark. Das Nokia erreich 52104 Punkte und das OnePlus 466938 Punkte. Hier bewegen sich die Ergebnisse in einem ähnlichen Verhältnis wie bei den Preisen. Allerdings war der Grafikchip des Nokia 1.3 zu schwach, um anzutreten. Da wäre es nur fair beim OnePlus 8 Pro 128132 Punkte abzuziehen. Aber selbst mit 338806 Punkten ist der Abstand noch deutlich. Geekbench hätte ich auch gerne ausprobiert, aber die App läuft auf dem Nokia 1.3 nicht.

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Was diese Zahlen im Alltag, also quasi mit Tempolimit, bedeuten zeigt sich, wenn man schaut wie lange Apps zum Starten brauchen.

AppOnePlus 8 ProNokia 1.3
Google Maps öffnen1 Sekunde9 Sekunden
Kamera-App starten1 Sekunde2 Sekunden
galaxus.de über Google Assistant aufrufen3 Sekunden13 Sekunden
Play Store öffnen1 Sekunde4 Sekunden
Einstellungen ansehen<1 Sekunde1 Sekunde

Um bei der Auto-Analogie zu bleiben: Das Nokia 1.3 ist der Trabant der schnell genug ist, um auf die Autobahn zu dürfen, aber mit seiner Geschwindigkeit noch weit von einem Tempolimit entfernt ist.

Eine Kamera bringt keinen Spaß

Bei Smartphone-Kameras hat die Bedeutung der Auflösung in Megapixeln abgenommen. Deswegen schreibe ich das Nokia 1.3 mit seinen 8- und 5-Megapixel-Kameras nicht vorzeitig ab. Ich will wissen, ob die Kamera-Software trotzdem eine Chance gegen die 48- und 16-Megapixel-Kamera des OnePlus 8 Pro hat. Die zusätzlichen fotografischen Optionen, die das OnePlus mit seiner Weitwinkel- und Tele-Linse bietet, habe ich nicht extra in Bildern festgehalten. Für sie verweise ich auf meinen Test des 8 Pro.

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HDR aus
HDR aus
HDR an
HDR an

Zwischen dem Nokia 1.3 und dem OnePlus 8 Pro liegen bei der Kamera ähnlich große Abstände wie beim Preis. Bei der Detailgenauigkeit und der Farbwiedergabe bleibt das Nokia deutlich zurück. Selbst der HDR-Modus bringt beim Nokia keine Besserung für die Wiedergabe von kontrastreichen Bereichen. Im Gegenteil: Die Detailgenauigkeit nimmt noch weiter ab.

Portraitmodus
Portraitmodus

Selbst mit nur einer Kamera bietet das Nokia 1.3 einen Portraitmodus an, bei dem die fotografierte Person scharf und der Hintergrund extra unscharf sein soll. Allerdings legt die Software nur einen groben Kranz um das Gesicht. Dadurch ist hier im Randbereich der Hintergrund ebenfalls scharf und Teile des Körpers wiederum unscharf. Die Software des OnePlus 8 Pro hat hier leichtes Spiel ein besseres Bild zu präsentieren.

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Sind bei Dunkelheit noch einige Lichtquellen vorhanden, bekommt auch das Nokia noch ein erkennbares Bild hin. Das OnePlus übertrifft es aber bereits ohne aktiven Nachtmodus bei der Detailgenauigkeit und dem Umgang mit besonders hellen und dunklen Bereichen. Je weniger Lichtquellen es gibt, desto mehr baut die Software des OnePlus ihren Vorsprung aus.

ohne HDR
ohne HDR
mit HDR
mit HDR

Bei den Selfies sind die Qualitätsunterschiede im ersten Moment nicht so groß, wie bei der Hauptkamera. Selbst das OnePlus 8 Pro hat Probleme mit einem überbelichteten Himmel, hat aber trotzdem mehr Details und realistische Farben. Aktiviere ich HDR, weicht der überbelichtete Bereich einem blauen Himmel mit weißen Wolken. Die Bildqualität des Nokia 1.3 könnte dann allerdings schon als Comic durchgehen.

Alle Fotos findest du in Originalgröße hier

Nicht zu sparsam sein

Beim Display ist die Lücke zwischen dem Nokia 1.3 und dem OnePlus 8 Pro kleiner als ich erwartet habe. Bei der Hardware kommt es auf deine Geduld hat und zwischen den Kameras beider Smartphones liegen Welten. Darüber hinaus hat das OnePlus weitere Merkmale, die einen deutlich höheren Preis als beim Nokia rechtfertigen. Aber gleich neun- bis zehnmal so teuer?

1.3 (16 GB, Charcoal, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
Nokia 1.3 (16 GB, Charcoal, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
8 Pro (12GB) (256 GB, Glacial Green, 6.78 ", Dual SIM, 48 Mpx, 5G)
691,37
OnePlus 8 Pro (12GB) (256 GB, Glacial Green, 6.78 ", Dual SIM, 48 Mpx, 5G)

Schon beim Einzeltest vom Nokia 1.3 lautet meine Empfehlung lieber etwas mehr Geld auszugeben. Dieser Logik folgend würde ich als nächstes einen ähnlichen Vergleich zwischen einem Mittelklasse- und einem Top-Smartphone machen.

Am Ende bleibt nur eine Frage: Welche Gerätekombination interessiert dich?

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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